Gesundheitsgeschichten

 

Wie ein „Loch“ die Seele auffrisst

Eine Trichterbrust beeinträchtigt Betroffene erst psychisch und danach physisch

Trichterbrust-OP
ist hier Routine

Sein Blick spiegelt Erschöpfung und Entschlossenheit gleichermaßen. Die trainierten Oberarmmuskeln samt Brustkorb sind angespannt. Der 19-jährige Laurence S. hat sich nicht schicksalsergeben seiner körperlichen Einschränkung gefügt, sondern die Operationen gewagt, die ihm wieder Lebensmut und Selbstbewusstsein gegeben haben. Dafür, dass ihm keine 24 Stunden zuvor ein Bügel aus dem Brustkorb entfernt wurde, wirkt er erstaunlich fit, als er Besuch von seiner Oma empfängt. Leichte Schmerzen spürt er zwar noch, daher seine Anspannung, aber er akzeptiert sie und freut sich auf seine Entlassung aus dem Krankenhaus am Folgetag.

Leidensweg beginnt zumeist mit der Pubertät

Sein Leidensweg begann mit der Pubertät. Seine Rippen wuchsen quasi nach innen, so dass an seiner Brust mehr und mehr eine Eindellung entstand. Dieses „Loch“ fraß sich auch in sein Selbstbewusstsein, sein Selbstwertgefühl. Im Freibad sein T-Shirt auszuziehen war unmöglich, so groß war die Angst, von anderen als Freak angesehen zu werden. Je größer die Eindellung in der Brust wurde, desto mehr nahm seine Psyche Schaden. Schizophrenie, so die Diagnose.
Im Alter von 16 Jahren sah sich Laurence S. nicht mehr in der Lage, sein Zimmer zu verlassen. Seine Mutter litt mit ihrem Sohn. Während er sich verkroch, telefonierte sie herum, wer ihrem Sohn am besten helfen könne. Sie wurde an Dr. Sönke von Weihe verwiesen. Der Thoraxchirurg der LungenClinic Grosshansdorf hat sich schon seit einiger Zeit auf die Behandlung von Brustkorbdeformitäten wie z.B. der Trichterbrust spezialisiert. Angesichts der Operation, die ihn erwartete, zögerte Laurence S. Doch je länger er darüber nachdachte, desto bewusster wurde ihm: „Wenn ich mein Leben zurückhaben will, dann muss ich den Eingriff wagen.“ Zudem bestand die Gefahr, dass er früher oder später Atembeschwerden bekommen könnte, da die Rippen auch die Lungen zusammendrückten. Noch war das zwar nicht der Fall, doch die Auswirkungen auf seine Psyche raubten ihm quasi indirekt die Luft zum Atmen. 

„Wenn ich mein Leben zurückhaben will, dann muss ich
den Eingriff wagen“, so der Tennager

Der Eingriff selbst wird in Schlüsselloch-Technik durchgeführt, deutschlandweit ca. 400 Mal pro Jahr. Dabei gibt es nur wenige spezialisierte Zentren, die über eine größere Expertise verfügen. Häufig sind Familien und niedergelassene Ärzte unsicher, an wen sie sich wenden können bezüglich Diagnostik, Beratung und Behandlung. Aus diesem Grunde hat die LungenClinic Grosshansdorf bereits vor vielen Jahren eine Spezialsprechstunde für Brustkorbdeformitäten eingerichtet. Übrigens: In der Regel werden die Kosten für den Eingriff nach Gutachtenerstellung von den Krankenkassen übernommen.
Und so wagte der Heranwachsende im Jahr 2019 die spezielle Operation. „Der Eingriff selbst war für uns nichts Außergewöhnliches. Mit der richtigen Technik und bei korrekter Indikation war die „Eindellung“ durch Implantation eines individuell geformten Bügels in rund einer Stunde korrigiert“, so Dr. von Weihe. „Die Schmerzen in den Tagen nach dem Eingriff waren hart. Alle Rippen taten weh. Zwar bekam ich Medikamente, aber trotzdem spürte ich, dass mein Körper litt. Trotzdem würde ich den Eingriff immer wieder machen lassen. Die zehn Tage Krankenhausaufenthalt waren das wert“, so Laurence S. Er strafft dabei die breite Brust und erwähnt, dass er im Spätsommer eine Ausbildung als Fitnesskaufmann anfange. Ein solcher Berufswunsch wäre dem damals 16-Jährigen vor drei Jahren noch völlig absurd vorgekommen. Auch dass der 19-Jährige inzwischen 100 Kilo schwere Gewichte stemmt, war früher undenkbar. Nun träumt er davon, richtig zu boxen und an Wettkämpfen teilzunehmen. Vieles spricht dafür, dass der Traum bald Wirklichkeit werden kann. Und er weiß, dass er das auch dem Team der LungenClinic zu verdanken hat. „Von außen wirkt die Klinik ziemlich nichtssagend, doch drinnen sind alle wirklich sehr freundlich und kompetent.“ Vor allem hat er die neuen Chancen aber der Beharrlichkeit seiner Mutter und seiner Bereitschaft, sein Schicksal nicht kampflos anzunehmen, zu verdanken. Zumindest die Trichterbrust hat er durch K.o. erfolgreich besiegt.

„Der Eingriff selbst war für uns nichts Außergewöhnliches. Mit der richtigen Technik und bei korrekter Indikation war die ,Eindellung‘ durch Implantation eines individuell geformten Bügels in rund einer Stunde korrigiert“, so Dr. von Weihe.

„Geschichten wie die von Laurence sind für das ganze Behandlungsteam und auch mich als Operateur sehr erfreulich und natürlich hoch motivierend“, so Dr. Sönke von Weihe. „Erfahrung und Sorgfalt auf diesem Gebiet sind dabei eine zwingende Voraussetzung und die Eckpfeiler des Erfolgs.“


 

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