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Gesundheitsgeschichten


»Sie haben quasi im Lotto gewonnen«

Trotz Lungenkrebs-Diagnose sieht sich Patientin als Glückskind: Sie gehört zu den 15 Prozent der Erkrankten, die für eine neue zielgerichtete Behandlung  mit Tabletten infrage kommt

Wenn Lungenkrebs
zur chronischen
Krankheit wird

„Das Jahr 2023 wird unser Jahr!“ Mit diesen Worten begrüßte Viola Bartsch am ersten Arbeitstag nach Silvester freudig ihre Kolleginnen, nicht ahnend, dass das Jahr 2023 ihr Schicksalsjahr werden würde. Das Jahr war nur wenige Tage alt, als die in der Verwaltung des Klinikums Nordfriesland in Husum tätige Viola Bartsch die Diagnose Lungenkrebs erhielt. Und während die stets sportlich aktive Nicht-Raucherin bei Wind und Wetter bis zum Jahreswechsel noch jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit gefahren war, verschlechterte sich ihr Zustand zu Jahresbeginn plötzlich rapide. Der Lungenkrebs, der zuvor unentdeckt und ohne merkliche Beschwerden in ihr geschlummert hatte, ergriff plötzlich von ihr Besitz. Eine Lungenentzündung raubte Viola Bartsch zudem jegliche Energie. Es bildete sich Flüssigkeit in der Lunge, die zwar entfernt wurde, aber wiederkam. Hinzu kamen Metastasen an vielen Stellen im Körper unter anderem auf der Knochenhaut am Oberschenkel.

Die Diagnose Lungekrebs schockierte die sportliche Nicht-Raucherin zutiefst

Umso irritierender wirkte der Satz ihrer heimischen Ärztin: „Sie haben quasi im Lotto gewonnen, da sie zu den 15 Prozent der Patient:innen gehören, die eine neue zielgerichtete Behandlung  mit Tabletten erhalten können.“ Ab dem 22. Februar bekam sie dann auch dieses Medikament, doch da Leber, Niere und Lunge vom Krebs massiv angegriffen wurden, fehlte der zweifachen Mutter die Kraft, sich über das neue Medikament zu freuen. „Wie sage ich es den Kindern“, war kurz nach Diagnose bereits eine ihrer größten Herausforderungen gewesen, denn obwohl diese schon 22 und 26 Jahre sind, verbindet sie eine sehr innige Beziehung. 
Viola Bartsch, die ihr Leben lang Tagebuch geschrieben hatte, wusste für einen Moment nicht mehr, wofür sie das noch machen sollte. Sie fühlte sich dem Tod näher als dem Leben. 

Doch der Gesundheitszustand verschlechterte sich. Statt Tablettentherapie nun doch Chemo?
Fachärztin empfiehlt Einweisung in die LungenClinic

Noch größer wurde die Sorge, als sich ihr Zustand trotz der vielversprechenden Behandlung weiter verschlechterte. Die CT-Diagnostik ergab einen niederschmetternden Befund: Der Tumor sei trotz Therapie gewachsen, auch der Krebsbefall des Rippenfells habe zugenommen. Die behandelnde Onkologin stimmte Frau Bartsch darauf ein, dass nun statt der Tablettentherapie eine Chemotherapie erforderlich würde. Aufgrund des ungewöhnlich schlechten Verlaufs riet sie ihr aber zur Sicherheit, sich in der Lungenclinic vorzustellen, um eine weitere Meinung einzuholen und dort die Therapieplanung abzustimmen.

LungenClinic diagnostiziert, dass Verschlechterung nicht durch Fortschreiten der Tumorerkrankung erfolgt ist, sondern ein streuender Abszess die von Krebs befallene Lunge zusätzlich schwächt

Bei Aufnahme auf der Onkologischen Station der Lungenclinic stutzte die Oberärztin Dr. Birgit Hantzsch-Kuhn bei der Betrachtung der vorliegenden CT-Diagnostik: Ihrem Eindruck nach lag kein Beweis für ein Fortschreiten der Tumorerkrankung vor, sondern ein streuender Abszess der von Krebs befallenen Lunge. Nach schneller Abstimmung mit der thoraxchirurgischen Oberärztin wurde entschieden, direkt am Folgetag eine Drainage in den Lungenlappen einzulegen. Und tatsächlich fand sich eine große Eiterhöhle mit Nachweis von Bakterien. Über vier Woche musste Viola Bartsch nun tägliche Spülungen der Abszesshöhle, eine intensive intravenöse Antibiotikatherapie und vor allem die Trennung von ihrer Familie an der Nordseeküste in Kauf nehmen. Während der gesamten Therapie konnte Frau Bartsch weiter ihre rettende Tablettentherapie gegen den Lungenkrebs einnehmen. Es ging ihr Tag für Tag besser, so dass sie wieder genügend Kraft hatte, mit ihrem Tagebuch in den Innenhof der LungenClinic zu gehen und dort draußen vom Grün umgeben und in frischer Luft zu schreiben. Schließlich beseitigten die Thoraxchirurgen in einer Videothorakoskopie die letzten verbliebenen entzündlichen Herde des Rippenfells. In der abschließenden CT-Untersuchung bestätigte sich die primäre Einschätzung der Ärztinnen der Lungenclinic: Die Krebserkrankung ist unter der Tablettentherapie gut kontrolliert. Der vermeintliche Krankheitsprogress bestand ausschließlich in einer ausgedehnten eitrigen Entzündung – eine Chemotherapie ist nicht erforderlich, Viola Bartsch hat gute Chancen, noch über längere Zeit mit ihrer Erkrankung zu leben. 

Der vermeintliche Krankheitsprogress bestand ausschließlich in einer ausgedehnten eitrigen Entzündung – eine Chemotherapie ist nicht erforderlich

Einige Wochen nach ihrer Entlassung sitzt Viola Bartsch erneut im Innenhof der LungenClinic. Ihr Tagebuch liegt auf ihrem Schoss und sie liest einem Filmteam des NDR aus diesem vor. Es geht in dem Filmbeitrag darum, dass sich die Überlebenschance mit Lungenkrebs extrem verbessert hat dank moderner Forschung, daraus resultierender Behandlungsmethoden und Medikamente. Lag die Überlebensrate über einen Zeitraum von fünf Jahren vor zehn Jahren noch unter 10 Prozent, liegt sie inzwischen bei fast 30 Prozent. „Die Diagnostik ist immer umfassender, um Lungenkrebs bereits im frühen Stadium zu entdecken“, erklärt Prof. Dr. Martin Reck, Chefarzt der Onkologie der LungenClinic, die Hintergründe. Verschiedene Krebsmarker werden analysiert und dann auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse die infolge der Erfahrungen der letzten Jahre wirksamste Therapie durchgeführt. Inzwischen leben viele Patient:innen auch noch nach fünf Jahren bei guter Lebensqualität. „Der Lungenkrebs ist bei ihnen zu einer chronischen Erkrankung geworden“, bilanziert Prof. Dr. Martin Reck und weist darauf hin, das für solche Fälle die Statistik erweitert werden müsste, denn diese dokumentierte bisher nur, wie die Überlebensquote nach fünf Jahren ist. 

Inzwischen müsste man eine weitere Stufe von zehn Jahren hinzufügen. 

„Viele Patient:innen haben allerdings nicht die Möglichkeit, so umfassend untersucht zu werden. Hier, im Lungenkrebszentrum der LungenClinic, können wir neben einer umfassenden Diagnostik sofort agieren. Außerdem kennen wir uns aufgrund unseres großen Erfahrungsschatzes auch mit Komplikationen im Verlauf der Erkrankung und Therapie sehr gut aus. Rechtzeitiges Eingreifen verbessert die Prognose bei Lungenkrebs erheblich“, merkt Dr. Birgit Hantzsch-Kuhn an. 
Viola Bartsch schreibt jeden Tag in ihr Tagebuch. Das hilft ihr, die Ängste und Emotionen zu verarbeiten und verdeutlicht ihr auch, dass es auch mit Lungenkrebs viele schöne Momente im Leben gibt, die man genießen kann.

Viola Bartsch hat auf jeden Fall vorerst einen Teil ihres alten Lebens zurückgewonnen. Sie kann wieder Rad fahren. Intensiv Sport treiben wie früher ist allerdings nicht mehr möglich. Und ob sie irgendwann auch wieder arbeiten kann, ist ungewiss. Aktuell freut sie sich über jeden gewonnenen Tag. Das Jahr 2023 war für sie ein Schicksalsjahr, in dem sie dem Tod entkommen ist. „Mir geht es nicht darum, 70 oder 80 Jahre zu werden. Jeder Tag, der bleibt, den möchte ich bewusst erleben können. Das ist mir wichtig! Ich gebe nicht auf“, schließt sie, nimmt ihr Tagebuch, verlässt mit festen Schritten die LungenClinic und fährt heim nach Husum. 

„Mir geht es nicht darum, 70 oder 80 Jahre zu werden. Jeder Tag, der bleibt, den möchte ich bewusst erleben können.“

Einige Wochen später schreibt sie an die LungenClinic: „Auch heute geht es mir wirklich sehr, sehr gut und strahle nur so vor Lebensfreude. Ich kann sagen, dass ich ein glücklicher Mensch bin und habe mein Lebensziel eigentlich jetzt schon erreicht: Ein glückliches Leben zu führen, gefüllt von Dankbarkeit und immer Wärme im Herzen! Meine Freundin sagte mal zu mir, ich sei ein Glückskind, und genauso sehe ich es auch heute noch trotz meiner Erkrankung!“

Dr. Birgit Hantzsch-Kuhn, Oberärztin in der Onkologie und Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie, fand nach ausführlicher Anamnese heraus, dass die Patientin zusätzlich zum Lungenkrebs einen eitrigen Abszess in der Lunge hatte.

 


 

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