Wunderwerk Lunge

 

Lunge aus Leidenschaft

Wieso unser Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Klaus F. Rabe ausgerechnet für das Atmungsorgan brennt

Wer Lunge
lernen will, muss
nach Großhansdorf

Wann seine Leidenschaft für die Lunge entstanden sei? Prof. Dr. Klaus F. Rabe verschränkt die Arme leicht vor der Brust, legt den linken Zeigefinger an die Lippen, so als überlege er, doch dann sprudelt die Antwort auch schon aus dem Pneumologen heraus. „Schon als Kind!“ Spastische Bronchitis habe man damals bei ihm diagnostiziert und so habe er regelmäßig ins St. Kamillus-Krankenhaus in Mönchengladbach-Dahl gemusst. Die Nonnen seien ihm bis heute in guter Erinnerung geblieben, sie hätten ihn ‚Klabautermann‘ vor dem Röntgengerät spielen lassen. Der 1957 Geborene lacht kurz auf, denn heutzutage ist es schlicht unvorstellbar, Kinder mit einem Röntgengerät spielen zu lassen.

Dr. Düster habe ihn dort untersucht und beeindruckt. Der damalige Chefarzt sei sehr Respekt einflößend gewesen. Auch Rabes Tante, eine der ersten weiblichen Medizinstudent:innen in Bonn nach dem Zweiten Weltkrieg habe als Lungenärztin zu dieser Zeit an dem Krankenhaus gearbeitet. Doch auch das habe nichts daran geändert, dass auch er nur die damals übliche Behandlung erhalten habe: Lebertran und Calzium Tabletten. Das an Vitamin D reiche Fischöl wurde nicht nur bis in die 60er Jahre hinein Kindern als Stärkungsmittel verabreicht, sondern ab den 1850er bis 1960er Jahren auch bei Lungenerkrankungen wie Tuberkulose oder eben Bronchitis verabreicht. Aus heutiger Sicht mag das eine zweifelhafte Behandlungsmethode sein, doch der damalige Wissensstand bot noch keine Alternativen, was ein Grund dafür ist, wieso der junge Klaus Friedrich die Lunge entdecken wollte.

Durch eigene Lungenprobleme wurde die
Faszination für das Organ geweckt

Als Sohn einer Fabrikantenfamilie verbrachte er zwar auch viel Zeit in der Schmiede, faszinierte sich für die Mechanik, doch noch mehr bereitete es ihm Freude, bei seiner Tante, die inzwischen eine eigene Praxis als Lungenfachärztin hatte, auszuhelfen. Deren für die damalige Zeit bemerkenswerten Veröffentlichungen zum Thema Bäcker-Asthma und zum Einsatz von Doxycyclin beim Asthma-Anfall weckte die Neugier des 17-jährigen Abiturienten für die Medizin so sehr, dass es ihn nach einer Ausbildung zum Radiologieasistenten nach Hamburg zum Medizinstudium zog.

Wieder muss der heutige Ärztliche Direktor und Medizinische Geschäftsführer der LungenClinic schmunzeln, wenn er an den jungen Mann von damals denkt, und daran, wie dieser am Hamburger Marienkrankenhaus erneut auf die Lunge gestoßen wurde. Die Klinik hatte eine lange Lungenhistorie. Damals hörte er als Studentische Hilfskraft auf der Intensivstation auch von der Lungenfachklinik in Großhansdorf und lauschte erstmals Vorträgen der dortigen Experten. Wer Lunge lernen wolle, der müsse nach Großhansdorf, das sei schon in den 60er und 70er Jahren Konsens gewesen. Doch der Drang, die große weite Welt der Medizin zu erkunden, zog ihn ans Universitätsklinikum Eppendorf. Dort fand er aber nicht, was er suchte. Das bot stattdessen das National Heart and Lung Institute in London. Abenteuer pur für einen bekennenden Fan der Lunge. Und für den jungen Mann Rabe hatte auch die Stadt London so manches Abenteuer im Angebot. Wenn nur nicht plötzlich die pfeifenden Lungengeräusche wieder aufgetaucht wären und ihm schlaflose Nächte in seiner dem Klischee der 70er Jahre entsprechenden siffigen Studenten-WG beschert hätten.

Mit seiner Grundlagenforschung zur
Entwicklung eines Medikaments beigetragen

„Und dann, an einem Abend in der Kneipe, sprach mich ein Mann an und sagte, das Geräusch hätte seine Lunge auch gemacht, doch inzwischen habe er den, wobei er einen Inhalator gezeigt habe.“ Der 64-Jährige schüttelt noch heute leicht ungläubig den Kopf. Denn obwohl er sich so viel mit der Lunge befasst habe, sei der Umstand, dass er selbst Asthma habe, erst in einer Kneipe von einem leicht angetrunkenen Briten „diagnostiziert“ worden. Auf Rat des Mannes nahm er an einer Studie teil, bekam das damals neuartige Cortison-haltige Spray, konnte somit seine Symptome behandeln und beruflich unter anderem an der Ursache für Lungenerkrankungen wie Asthma forschen. Schon in London fand er so zu der Enzymgruppe der Phosphodiesterasen und dann später zurück in Deutschland, konkret in Großhansdorf, forschte er an deren Auswirkungen auf die Lunge. Bei seiner Tätigkeit als Pneumologe und Forscher half dem Ingenieurssohn stets auch sein in die Wiege gelegtes Interesse für die Mechanik, denn auch das Atmungsorgan folgt durch das Zusammenspiel der Muskeln gewissen Regeln. Nur wie sind diese Regeln? Diese zu verstehen, kann den Forscher Rabe noch heute nächtelang mit Gleichgesinnten aus aller Welt an Studienergebnissen feilen und darüber fachsimpeln lassen. Er findet es ungemein befriedigend, mit seiner Grundlagenforschung aus jungen Jahren zur Entwicklung eines Medikaments beigetragen zu haben und kann sich noch heute für ein ungewöhnliches CT-Bild begeistern und diebisch freuen, wenn er eine Diagnose stellen kann, die anderen zuvor nicht geglückt ist.

Nächtelang kann der Forscher Rabe mit Gleichgesinnten
über die Lunge und ihre Eigenarten fachsimpeln

1998 kam der Ruf auf eine Professur an der Universität Leiden, an der er bis 2010 blieb, bis die LungenClinic Großhansdorf ihm den Posten als Ärztlicher Direktor anbot. Weder seine Frau noch seine drei Kinder können sich aktuell vorstellen, dass der rastlose Lungen-Liebhaber Rabe zeitnah in den Ruhestand eintritt. Er selbst bestreitet deren Einschätzung, allerdings wirkt er hier erstmals nicht überzeugend, da sein folgender Satz einen Ruhestand schlicht unmöglich macht. Denn: „Die Lunge wird nie langweilig!“ Bei dieser Aussage streckt Rabe den Rücken gerade und sagt im vollen Brustton der Überzeugung, dass, da viele Lungenerkrankungen im Prinzip bis heute nicht verstanden seien, es noch so viel zu entdecken gäbe. „Was will man denn noch, um richtig Spaß zu haben?“ Gut, vielen seiner jüngeren Mitarbeiter:innen, die den Satz vermutlich regelmäßig zu hören bekommen, hätten da vielleicht noch die eine oder andere Idee, aber ihr Prof. ist eben ein Überzeugungstäter. 


 

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