Tuberkulose

Während nach Schätzungen weltweit ca. 2 Milliarden Menschen mit Tuberkulose (TB) infiziert sind und ca. 10 Millionen Neuerkrankungen jährlich auftreten, ist die Inzidenz in Deutschland heute auf ca. 0,005% (ca. 5 auf 100.000 Einwohner) zurückgegangen. Die LungenClinic Grosshansdorf wurde im Jahre 1900 als Klinik für Patienten mit Tuberkulose gegründet. Aufbauend auf dieser Tradition und der Erfahrung im Umgang mit der Erkrankung werden in unserer Klinik auch heute Patienten mit Tuberkulose auf einer speziellen Infektionsstation behandelt.

Patient mit ausgedehnter Tuberkulose der rechten Lungen mit Kavernenbildung im rechten Oberlappen

In vielen Fällen stellt die Tuberkulose in der Diagnostik und Therapie weiterhin eine medizinische Herausforderung dar. So gilt es, die Tuberkulose, meist hervorgerufen durch das Mycobacterium tuberculosis, selten durch M. bovis, M. microti und M. africanum, sicher von anderen Mykobakteriosen (z. B. durch Mycobacterium avium intracellulare) abzugrenzen. Moderne diagnostische Verfahren, wie der Nachweis einer TB-spezifischen Interferon-γ-Produktion (im ELISA-Test oder im ELISPOT), die Nukleinsäure-Amplifikationstechniken (z. B. PCR) oder Erregertypisierung mittels Gensequenzierung bedürfen einer erfahrenen, kritischen Wertung.

Die therapeutische Strategie ist möglichst an den mikrobiologischen Befunden auszurichten und muss eine extrapulmonale Ausbreitung der Erkrankung, z. B. bei der Lymphknoten-, der Pleura-, oder Weichteiltuberkulose berücksichtigen. Bei Beteiligung spezieller Organe, wie des ZNS, des Herzens, der Harnwege oder auch der Knochen ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich, die bei spezifischen Empyemen oder Abszessen chirurgische Maßnahmen einschließen kann. Besondere Schwierigkeiten der Therapie können sich durch multiresistente (MDR; Resistenz mindestens gegen die Basistherapeutika Rifampicin und Isoniazid) oder extrem resistente Erreger (XDR) ergeben, die auch heute, in allerdings sehr seltenen Ausnahmen, Anlass zu lungenresezierenden Verfahren sein können. Weitere Therapieprobleme können durch die Toxizität der Medikamente, bei Organvorschäden, besonders bei chronischen Lebererkrankungen, oder durch Interaktionen mit erforderlichen Begleitmedikationen auftreten.

Mitglied in: