Forschungspreis für Ärzte der LungenClinic Grosshansdorf

11. März 2016

Prof. Berthold Jany, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, gratuliert Dr. Benjamin Waschki von der LungenClinic Grosshansdorf zum Forschungspreis (vlnr).

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat Dr. Benjamin Waschki von der LungenClinic Grosshansdorf jetzt mit ihrem diesjährigen Preis für klinische Forschung ausgezeichnet. Damit würdigte die Fachgesellschaft der Lungenärzte seine Arbeit zum Thema „körperliche Aktivität bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)“. Diese hatte er gemeinsam mit Kollegen aus der LungenClinic und dem Pneumologischen Forschungsinstitut in Großhansdorf im Fachmagazin American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine publiziert. Prof. Berthold Jany, Präsident der DGP, überreichte Waschki den Preis in Höhe von 10.000 EUR im Rahmen der Eröffnung des 57. DGP-Jahreskongresses am 2. März in Leipzig.

Während bisher nur Querschnittstudien mit einem Messzeitpunkt existierten, besteht der Verdienst Dr. Waschkis und seiner Kollegen darin, dass der Zusammenhang zwischen COPD und körperlicher Aktivität jetzt erstmals über den Zeitraum von drei Jahren in einer sogenannten Längsschnittstudie untersucht worden ist. Insgesamt wurden jeweils zum Beginn und zum Ende der Studie die Daten von 163 Patienten erhoben, so dass sich der Verlauf der Erkrankung und die Auswirkungen jetzt exakt beschreiben lassen.

Dazu muss man wissen, dass in Deutschland fünf bis zehn Prozent aller Erwachsenen im Alter von mehr als 40 Jahren unter COPD leiden. Sind Veränderungen der Lunge, wie die Verengung der Atemwege, erst einmal entstanden, bleiben sie im Fall von COPD lebenslang bestehen und schreiten in der Regel weiter fort. Typische Anzeichen sind Husten, Auswurf und Luftnot. Als Ursache der Erkrankung gilt vor allem das Rauchen. 80 bis 90 Prozent aller COPD-Patienten sind Raucher oder haben in der Vergangenheit geraucht. Aber auch genetische Voraussetzungen und Schadstoffe in der Luft können den Ausbruch der Erkrankung beschleunigen.

Lungenärzte und Wissenschaftler wie Dr. Waschki gehen schon seit Längerem davon aus, dass körperliche Inaktivität negative Folgen für den Verlauf der Erkrankung hat. Die Ergebnisse der Längsschnittstudie belegen dies jetzt eindeutig. Schon im frühen Stadium der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung bewegen sich Patienten deutlich weniger als gesunde Menschen. Gingen körperlich aktive Patienten zu Beginn der Erkrankung noch 8.000 Schritte pro Tag, waren es nach drei Jahren nur noch 6.800. Zum Vergleich: Bei gesunden Menschen geht man davon aus, dass sich die Anzahl der täglichen Schritte im gleichen Zeitraum altersbedingt von 10.000 auf 9.400 Schritte reduziert. Die Forscher wiesen gleichfalls nach, dass die deutliche Reduzierung der körperlichen Aktivität bei COPD einen ausgeprägten Muskulaturverlust und eine drastische Abnahme der Belastbarkeit zur Folge hat.

Interpretiert wird die Entwicklung so: Die Patienten schonen sich bereits im frühen Stadium der Erkrankung stärker als zuvor, nutzen verstärkt Fahrstühle, gehen langsamer, bleiben dabei häufiger stehen und vermeiden so das Erreichen ihrer Luftnotgrenze. Erst dadurch bedingt verschlechtern sich Krankheitsaspekte wie Muskelstatus und Belastbarkeit der Patienten und auch die Lebensqualität nimmt ab. Benjamin Waschki dazu: „Mit unserer Studie konnten wir erstmals die Bedeutung der Inaktivität für die klinisch immer wieder beobachtete Abwärtsspirale der Erkrankung nachweisen.“ Im Umkehrschluss heißt dies: durch eine Bekämpfung der Ängste und eine möglichst lange Aufrechterhaltung der körperlichen Aktivität können Leistungsfähigkeit und eine positive Lebensqualität von Patienten länger erhalten bleiben.

Mit dieser Erkenntnis wird die bisherige Behandlungspraxis von Lungenärzten jetzt fundiert untermauert. In der LungenClinic Grosshansdorf regen Ärzte und Therapeuten Patienten mit COPD schon seit einigen Jahren an, sich beispielsweise einer Lungensportgruppe anzuschließen, Nordic Walking zu betreiben oder die körperliche Aktivität durch längere Spaziergänge zu steigern.

Ebenfalls auf dem 57. DGP-Jahreskongresses gab es noch für einen weiteren Arzt der LungenClinic Grosshansdorf einen Preis. Dr. Thomas Bahmer wurde unter anderem für seine Forschungsarbeit über den Einfluss körperlicher Aktivität auf den Verlauf einer speziellen Form der Lungenfibrose geehrt. Dass die erfolgreiche Forschung an der LungenClinic auch in den kommenden fünf Jahren Bestand haben wird, ergibt sich aus dem Gutachten eines 14-köpfigen internationalen Komitees, dass dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung und seinen Mitgliedern – unter ihnen auch die LungenClinic – herausragende Leistungen bescheinigt. Damit konnte die Finanzierung der Forschung nach einer fünfjährigen Aufbauphase bis einschließlich ins Jahr 2020 gesichert werden.

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